Was zahlen Streaming-Portale wirklich? (Beispiel: 50.000 Streams)

Was zahlen Streaming-Portale wirklich? (Beispiel: 50.000 Streams)
Transparente Richtwerte für Artists – inklusive Sortierfunktion.
Umrechnungskurs: 1 USD = 0,8479 EUR (ECB Referenzkurs vom 06.02.2026).
Wichtig vorab: Streaming zahlt nicht “pro Stream” als festen Preis – es ist (meist) ein Pool-/Share-Modell. Die Werte unten sind deshalb Durchschnittswerte aus Reports und können je nach Land, Abo-Mix (Free vs. Premium), Vertrag (Label/Vertrieb), Content-Typ (Audio/Video) und Monat stark schwanken.
Warum diese Tabelle existiert (und warum sie wehtut)
Streaming hat Musik in der Wahrnehmung vieler Menschen zu “selbstverständlichem Gratis-Content” gemacht. Das ist eine kulturelle Aushöhlung: Musik ist Arbeit, Handwerk, Zeit, Risiko – wie jedes andere Produkt. Trotzdem drücken Free-Tiers (werbefinanziert) den Wert systematisch nach unten.
Manche Artists nennen das zugespitzt “legalisierte Piraterie” – nicht weil Streaming illegal wäre, sondern weil das Ergebnis ähnlich wirkt: massiver Konsum bei mikroskopischer Vergütung. Dein Release ist nicht automatisch “falsch” auf Plattformen mit Free-Tier – aber du solltest wissen, dass ein hoher Free-Anteil fast immer bedeutet: weniger Geld pro Hörvorgang.
Interaktive Tabelle: 50.000 Streams – geschätzter Erlös *(Premium Abo)
| Plattform | Ø pro 1.000 Streams (USD) | 50.000 Streams (EUR) | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Qobuz | 18,73 | 794,05 € | Qobuz veröffentlicht Ø-Rate (an Rechteinhaber, nicht “netto Artist”). |
| Amazon Music | 8,80 | 373,07 € | Duetti-Durchschnitt (global, Indie-Daten). |
| TIDAL | 6,80 | 288,28 € | Duetti-Durchschnitt (global, Indie-Daten). |
| Apple Music | 6,20 | 262,85 € | Keine Free-Tier-Nutzung → oft stabilerer Wert pro Stream. |
| YouTube (Music + Video Mix) | 4,80 | 203,49 € | Stark abhängig von Ads vs Premium, Content-ID, Watchtime. |
| Deezer | 4,80 | 203,49 € | Hat Free-Tier (ad-supported): viel Free-Traffic kann Einnahmen drücken. |
| Pandora | 3,20 | 135,66 € | Duetti-Durchschnitt (wo relevant, v. a. US-Markt). |
| Spotify | 3,00 | 127,18 € | Share-Modell (kein fixer “pro-Stream-Preis”). |
| TikTok | 0,50 | 21,20 € | Duetti bezieht sich auf “Video Creations”, nicht klassische Streams. |
*(Premium Abo): Diese Erlöse gelten nur für Streams die durch Premium Abonnenten erzeugt wurden – gilt nicht für Free Abo-Hörer: Streams durch Free Abo-Hörer erzeugen wesentlich geringeren oder gar keinen Erlös (siehe Deezer).
Quellenbasis (Raten): Duetti “Music Economics Report 2024” (u. a. Spotify/Amazon/Apple/TIDAL/YouTube/Deezer/Pandora/TikTok) sowie Qobuz-Transparenzangabe zur Ø-Rate. Spotify weist selbst darauf hin, dass es keinen festen “per-stream rate” gibt.
Free vs. Premium: der Wert-Killer
Premium-Streams sind in der Regel deutlich mehr wert als Free-Streams, weil dort Abo-Umsatz verteilt wird statt nur Werbeerlöse. Plattformen mit großem Free-Anteil können dadurch – bei gleicher Streamzahl – spürbar weniger auszahlen.
Hinweis zu Deezer: Deezer hat eine ad-supported Free-Stufe (je nach Land/Device unterschiedlich). Wenn deine Hörerbasis dort überwiegend “Free” ist, ist der ökonomische Effekt oft frustrierend: viele Plays, wenig Geld. Genau deshalb sollten Artists dieses Risiko vor der Veröffentlichung kennen – und ihre Fans aktiv zu Premium/Direct-Support führen.
Wenn Streams nichts wert sind: kulturelle Aushöhlung & digitale Ausbeutung
Was einige große Streamingplattformen – allen voran Deezer mit seinem ad-finanzierten Free-Modell – faktisch betreiben, ist mehr als ein wirtschaftliches Problem. Es ist eine kulturelle Aushöhlung.
Musik wird dort als selbstverständlicher Gratis-Content behandelt – obwohl sie Zeit, Können, emotionale Arbeit, Produktionskosten und oft jahrelange Entwicklung erfordert. Für viele Artists bedeutet das konkret: hohe Reichweite, aber kein Einkommen.
Das reale Szenario (das viele nicht kennen)
Hat ein Artist beispielsweise 500.000 Streams pro Jahr auf einer Plattform mit hohem Free-User-Anteil wie Deezer, kann es – abhängig von Region, Werbeerlösen und Nutzungsstruktur – passieren, dass beim Urheber effektiv nichts ankommt, obwohl der Content intensiv konsumiert wurde.
Nicht, weil der Artist „schlecht verhandelt“ hat – sondern weil werbefinanzierte Streams extrem wenig Erlös generieren und sich dieser Erlös im Plattform-Pool weiter verwässert.
Warum manche von „legalisierter Piraterie“ sprechen
Einige Künstler bezeichnen dieses Modell als „legalisierte Piraterie“ – nicht weil Streaming illegal wäre, sondern weil der Effekt dem klassischer Raubkopien ähnelt:
- Der Nutzer hat legalen Zugriff auf die Musik
- Der Konsum ist massiv
- Der Urheber erhält keine oder nahezu keine Vergütung
Der entscheidende Unterschied zu früheren illegalen Downloads: Heute geschieht das Ganze mit Lizenz, mit Plattform-Segen – aber ohne fairen Gegenwert für die kreativen Urheber.
Deezer ist nicht allein – aber ein besonders klares Beispiel
Neben Deezer betrifft diese Problematik auch andere Plattformen mit starkem ad-finanzierten oder nutzungsbasierten Vergütungsmodell, u. a.:
- YouTube (Video & Free Music) – extrem abhängig von Werbung, Watchtime & Region
- TikTok – hohe Reichweite, aber minimale Lizenzvergütung pro Nutzung
- Spotify Free – deutlich geringerer Wert pro Stream als Premium
Entscheidend ist nicht der Name der Plattform, sondern die Frage: Wer zahlt – der Nutzer oder nur die Werbung? Wo kein zahlender Nutzer ist, kann langfristig kein fairer Künstlerlohn entstehen.
Warum Artists das vor der Veröffentlichung wissen müssen
Streaming kann Reichweite schaffen – aber es ist kein gerechtes Bezahlmodell. Wer seine Musik veröffentlicht, sollte dies informiert und bewusst tun und nicht im Glauben, dass „viele Streams automatisch Einnahmen bedeuten“.
Transparenz ist kein Luxus. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Künstler selbstbestimmt entscheiden können, wo und wie ihre Musik verfügbar ist.
Was du als Artist praktisch tun kannst (ohne dich zu verbiegen)
- Lenke Fans bewusst zu “wertvollen” Aktionen: Speichern, Folgen, Playlist-Adds – und wenn möglich: Premium-Hören statt Free.
- Baue Direct-Support auf: Bandcamp/Downloads/Merch/Patreon – Streaming ist Reichweite, nicht Fair-Pay.
- YouTube strategisch nutzen: Content-ID & Longform können funktionieren, aber Erlöse sind stark variabel (Watchtime/Region/Ads
- Qobuz/TIDAL kommunizieren (wenn es zu deinem Publikum passt): kleinere Reichweite, aber deutlich höhere Ø-Vergütung.
Disclaimer: Alle Werte sind grobe Richtwerte auf Basis veröffentlichter Reports/Transparenzangaben. Dein “Netto beim Artist” hängt von deinem Vertrag (Distributor/Label), Splits, Publishing/Verlag, Land und Monat ab.
Quellen & Hintergründe
Für Artists, die tiefer einsteigen und sich selbst ein Bild machen wollen, hier eine Auswahl zentraler Datenquellen und offizieller Erklärungen:
- Duetti – Music Economics Report
Branchenüberblick zu durchschnittlichen Auszahlungen je Plattform
https://report.duetti.co/ - Qobuz – Transparenz zur durchschnittlichen Auszahlung
Offizielle Angabe: Ø $0.01873 pro Stream
https://community.qobuz.com/press-en/qobuz-unveils-its-average-payout-per-stream - Spotify – Understanding Royalties
Erklärung des Pool- & Share-Modells (kein fixer Preis pro Stream)
https://support.spotify.com/us/artists/article/understanding-spotify-royalties/ - Digital Music News / Duetti-Analysen
Einordnung zu TikTok, YouTube & Free-Tier-Effekten
https://www.digitalmusicnews.com/
Hinweis: Die genannten Werte sind Durchschnittswerte und dienen der Orientierung. Individuelle Einnahmen können je nach Region, Vertrag und Nutzungsart deutlich abweichen.
